Der Zeit immer einen Schritt voraus

11. Jan 2018

mika:timing feierte 2017 sein 15jähriges Jubiläum. Harald Mika ist aber schon seit 30 Jahren in Sachen professioneller Zeitmessung bei Sportveranstaltungen unterwegs. Grund genug für m:t now, mit dem Gründer und Inhaber über seine Anfänge auf dem Dachboden, die Unternehmensentwicklung und die Meilensteine in der professionellen Zeitnahme zu sprechen.

Wir treffen Harald Mika in der Firmenzentrale in Bergisch Gladbach. Hier arbeiten 75 festangestellte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Es geht sportlich zu. Viele gehen in ihrer Freizeit laufen oder Radfahren, nehmen an Marathon-, Triathlonveranstaltungen teil oder auch an den immer popuärer werdenden Obstacle Races. Unter denen, die heute mit Harald Mika zusammenarbeiten, sind einige, die zu seinem ersten Team gehörten. Zu dem Team, das er bildete, als mika:timing seinen Namen bekam und so richtig anfing zu wachsen. Angefangen hat alles aber viel früher.

m:t now: Sie beschäftigen sich seit 30 Jahren mit der Zeitmessung bei Sportveranstaltungen. Was war denn damals für Sie der Startschuss?

Harald Mika: Die erste Veranstaltung, bei der ich zusammen mit einem Freund die Zeitmessung gemacht habe, war 1987 ein Triathlon in Herrenstrunden – keine drei Kilometer von hier. Im dortigen Freibad hat der lokale Verein Triathlon-Veranstaltungen organisiert, und wir haben die Zeit mit Stoppuhren gemessen, so genannten Druckerstoppuhren. Diese Geräte haben das gemessene Ergebnis auf Papierstreifen ausgedruckt. Die Ergebnisse haben wir mit einem Apple IIe ausgewertet, einem Schulcomputer, den mir mein Informatiklehrer vom Gymnasium Herkenrath dafür ausgeliehen hatte. Die Auswertungssoftware habe ich in den Sommerferien auf dem Dachboden meiner Eltern geschrieben.

m:t now: Wie lief denn die Auswertung damals ab?
Harald Mika: Triathlon besteht ja aus drei Disziplinen: Schwimmen, Radfahren und Laufen. 1987 gab es noch keine elektronische Zeitmessung. Wir haben nach jeder Disziplin bei jedem Teilnehmer, der an uns vorbeikam, auf die Stoppuhr gedrückt. Die hat eine Zeit ausgedruckt und gleichzeitig haben wir die Startnummer in Listen aufgeschrieben. Die Ergebnisse haben wir fortlaufend manuell in den Computer eingegeben. Nach dem Wettkampf hatten wir so schon nach zehn Minuten eine fertige Ergebnisliste, die nicht nur das Gesamtergebnis darstellte, sondern auch die Ergebnisse der einzelnen Disziplinen. Damals war das noch absolut ungewöhnlich.

m:t now: Wie war da das Feedback?

Harald Mika: Folgenreich! Auf der Veranstaltung war auch der damalige Präsident des Nordrhein-Westfälischen Triathlonverbandes, Michael Fieberg. Der war so begeistert, dass er uns gleich per Handschlag für die nächsten 15 Events beauftragt hat. Das war im Prinzip der Startschuss für mika:timing.

m:t now: Wie kommt man als Schüler auf die Idee, sich mit dem Thema Zeitmessung zu beschäftigen?
Harald Mika: Gute Frage. Das war die Kombination aus Zeitmessung und Ergebniserstellung. Vor allem, etwas zu machen, was noch keiner gemacht hatte. Damals gab es ja noch keine fertigen Software-Tools. Deshalb musste ich mir eine Lösung ausdenken und sie programmieren. Das hat dann super viel Spaß gemacht.

m:t now: mika:timing haben Sie erst 15 Jahre später gegründet. Was ist in den 15 Jahren nach Herrenstrunden passiert?

Harald Mika: Den ersten Triathlon 1987 hatten wir nur so aus Spaß gemacht, nicht mit der Idee, daraus ein Business zu machen. Nachdem aber die nächsten 15 Veranstaltungen gleich beauftragt waren, haben mein Kumpel Bernd und ich das als Chance gesehen, neben dem Studium her Geld zu verdienen. Mit der Zeit haben wir natürlich an der Optimierung der Zeiterfassung getüftelt.

m:t now: Getüftelt? Wie kann ich mir das vorstellen?

Harald Mika: Die Druckeruhren haben wir durch Laptops ersetzt. Wir saßen mit Laptops an einzelnen Stationen auf der Strecke, haben per Zehnertastatur die Startnummer erfasst und auf Knopfdruck die Zeit generiert. Dadurch mussten wir die Zeiten nicht mehr manuell übertragen. Dadurch haben wir Fehlerquellen minimiert und sind schneller geworden. Natürlich kam dann auch die Frage, ob man die Zeit nicht elektronisch, also automatisch, erfassen kann. 1994 sind wir auf die Transpondertechnologie und den ChampionChip gestoßen, haben das ausprobiert und dann bei allen unseren Triathlon-Veranstaltungen eingesetzt. Der nächste Meilenstein war 1997, als der Köln Marathon an uns herangetreten ist für die Zeitmessung.

m:t now: Der Köln Marathon war Ihre erste Großveranstaltung?

Harald Mika: Ja, genau. Und ab da kamen immer mehr Anfragen aus ganz Deutschland. Es gab damals einen Exklusiv-Distributor für die ChampionChip-Technologie in Deutschland. Dem haben wir schließlich 2000 angeboten, sein Geschäft zu übernehmen. Und damit ist die Zahl der Veranstaltungen, die wir im Jahr betreut haben, von 30 auf über 100 gestiegen.

m:t now: 100 Veranstaltungen? Für einen Nebenjob ist das aber ambitioniert.

Harald Mika: Genau. Zu diesem Zeitpunkt habe ich gesagt, das nimmt solche Dimensionen an, jetzt müssen wir uns darauf konzentrieren. Mein Kumpel wollte das aber weiterhin nebenher betreiben. In der Konsequenz habe ich 2001 die mika:timing allein gegründet, die dann 2002 operativ mit vier Mitarbeitern tätig wurde. In dem Jahr hatten wir dank weiterer Aushilfen schon über 230 Veranstaltungen betreut.

m:t now: Und dann?

Harald Mika: Dann ging es Schlag auf Schlag. Wir haben unsere Veranstaltungsliste erweitert und mehr Leute eingestellt. Außerdem haben wir immer mehr Dienstleistungen angeboten, wie die Onlineanmeldung. So sind wir von fünf Personen 2002 auf aktuell 75 Personen plus 15 Kollegen in Schweden gewachsen.

m:t now: Danke für den Blick zurück!

Im nächsten Teil des Interviews gibt es dann mehr zur technologischen Entwicklung und zu Trends bei Sportveranstaltungen.

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